Baar Museum

Jindřich Šimon Baar und Klenčí pod Čerchovem/Klentsch

Ressorts: Fotostrecke, Museen und Galerien, Kultur, Hintergrund

Artikelinformationen

Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Freitag, 19 August 2011 20:19

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Bevor der aus der Oberpfalz kommende Besucher hinunter in die Ebene des Chodenlands gelangt, kommt er zur Stelle des „ersten Blickes". An dieser hochgelegenen Stelle beim Berg Čerchov – oder deutsch Schwarzkopf, der mit 1.042 Metern der höchste Berg des Oberpfälzer Waldes ist, hier Český les genannt, steht genau oberhalb der nach Klenčí hinunter führenden Straße, drei Kilometer vor der Gemeinde, in einer Haarnadelkurve das Denkmal und die Statue eines besonderen Mannes, der mit dem Chodenland eng verbunden ist.

Von seiner hohen Warte herab kann er auf seine Heimatgemeinde Klenčí pod Čerchovem/Klentsch blicken - und falls das Wetter es erlaubt, nicht nur die ganze Umgebung der Stadt Domažlice/Taus, sondern auch die Stadt Kdyně/Neugedein, die Stadt Klatovy/Klattau und auch noch ein ziemlich großes Stück von Bayern sehen. Der Mann ist der katholische Priester und Schriftsteller Jindřich Šimon Baar (1869 – 1925) – oder auch Heinrich Simon Baar, als der er in der „Pfraumberger Chronik" erwähnt wird, wo er unter dem von 1863 bis 1895 als Pfarrer wirkenden Josef Ignaz Schneider aus Sandau von 1892-1894 als Kaplan tätig war und auch seine ersten Werke geschrieben hat. Auch ein weiterer in Pfraumberg von 1895-1920 wirkender Pfarrer hat Bezug zu Klentsch: Anton Solfronk aus Havlovice, der auch in Klenčí begraben liegt.

Jindřich Šimon Baar wurde am 7. Februar 1869 in Klentsch im Haus der Familie Holub geboren, besuchte das Gymnasium in Taus und trat nach seiner Matura in ein Priesterseminar in Prag ein. Als Kaplan kam Baar in die Pfarrei von Pfraumberg/ Přimda, dann als Kaplan von 1894 bis 1895 nach Spálené Poříčí/Brennporitschen und anschließend nach Ořech bei Prag und nach Unetice. Von hier aus wurde er nach Klobuky bei Slany versetzt, wo er ein neues Pfarrhaus errichten ließ. In Klobuky war Baar von 1899-1909 tätig, ab 1909 kam er wiederum nach Ořech. 1919 wurde er auf eigenen Wunsch in den Ruhestand versetzt und kehrte zurück in seinen Geburtsort Klenčí. Hier arbeitete Baar auch literarisch weiter und schrieb Romane und Erzählungen, die nicht alleine sein geliebtes Chodenland zum Thema hatten, sondern sich auch kritisch mit der Ordnung der katholischen Kirche auseinander setzten. Dabei ging es um die von der Priestervereinigung „Jednota" („Einheit") hervorgerufenen Auseinandersetzung wegen des Erlasses von Papst Pius X. im Jahre 1907 gegen den Modernismus in der Kirche, durch den die „Jednota" aufgelöst wurde. Mit der Gründung der Ersten Tschechoslowakischen Republik im Jahr 1918 wurde die Vereinigung allerdings erneuert. Ein Jahr später formulierte sie ein Programm mit dem Titel „Erneuerung der katholischen Kirche in der Tschechoslowakischen Republik", zu dessen Verfassern auch Jindřich Šimon Baar gehörte.

Die meisten von Baars Werken sind aber dem Chodenland gewidmet. Die bekanntesten dürften die Bände der Chodská trilogie (Chodentrilogie) sein: „Paní komisarka" (1923), „Osmačtyřicátníci" (1924) und „Lůsy" (1925) sein. Als Baar am 24. Oktober 1925 in seinem Heimatdorf Klenčí starb, hinterließ er sein Vermögen, die Buchrechte und sein Haus der Gemeinde unter der Bedingung, dass nach seinem Tode in seinem Haus ein Museum, eine öffentliche Bücherei sowie ein Lesezimmer eingerichtet werden sollten. Sein Wunsch wurde Genüge getan und am 17. Juli 1932 wurde an seinem Geburtshaus eine Gedenktafel enthüllt. Ein Jahr später, am 25. Mai1933, wurde der Grundstein für das Denkmal oben am Berg gelegt. Mit geschmückten Bauernwagen schaffte man damals Steine mit den eingehauenen Namen der chodischen Dörfer für das Denkmal den Berg hinauf. Die Statue von Jindřich Šimon Baar schuf der bekannte Prager Bildhauer Ladislav Šaloun, der zu den bedeutendsten Künstlern des Symbolismus der tschechoslowakischen Jugendstilepoche zählte, der auch Portraits anderer berühmter Persönlichkeiten, wie Svatopluk Čech oder Tomáš Garrigue Masaryk geschaffen hat. Während der Besetzung wurde der Pylon des Denkmals im September von den Deutschen zerstört und die Steine nach Waldmünchen geschafft. Die Bronzestatue selbst konnte in der Chodenburg/Chodský hrad in Taus versteckt werden, in der sich heutzutage ein Museum mit einer umfangreichen Ausstellung über die Umgebung der Stadt Domažlice und das Chodenland untergebracht ist. Nach dem Krieg wurde der Pylon wieder aufgerichtet, die Statue wieder an ihren angestammten Platz zurückgebracht und am 5. Juli 1947 wieder enthüllt.

Das Jindřich Šimon Baar-Museum in Klenčí

Im Juli 1926 ging Baars testamentarischer Wunsch in Erfüllung. In seinem Haus wurden Museum, Bibliothek und Lesezimmer eingerichtet. Die heute gezeigten Gegenstände stammen aus seiner Sammlung von Urkunden, Münzen, Trachten, Geschirr, Bildern und verschiedenen anderen Antiquitäten. Die Besucher finden hier nicht nur zahlreiche Informationen über die Geschichte und Volkskunde des Chodenlandes, sondern auch Leben und Schaffen des Schriftstellers Jindřich Šimon Baar sind umfangreich dokumentiert. Das Museum befindet sich im Haus Nr. 140 am Marktplatz, gleich gegenüber des Rathauses in erhobener Lage, das Baar 1915 gekauft hatte.

 

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Karl W. Schubsky